Kapp-Putsch 1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee

von Klaus Gietinger

Pünktlich zum 100. Jahrestag rollt Klaus Gietinger die Geschichte des Militärputsches und der Abwehrkämpfe neu auf, liefert kaum bekannte Fakten. Es ist ein ungemein wichtiges, fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte: Der Versailler Vertrag verlangte 1920 die Reduzierung der Reichswehr und die Auflösung der konterrevolutionären Freikorps. Die Reichsregierung musste dem nachkommen.
Daraufhin putschten die Freikorps. Wolfgang Kapp, Aufsichtsrat der Deutschen Bank, rief sich zum Reichskanzler aus. Die Reichsregierung floh, kurz vorher hatten die SPD-Mitglieder ihre Namen unter einen Generalstreik-Aufruf setzen lassen. Der größte Streik, den Deutschland je gesehen hat, folgte.
Zahlreiche Reichswehr-Kommandeure sympathisierten mit den Putschisten.
Nach fünf Tagen mussten letztere aufgeben. Die Regierung kehrte in die Hauptstadt zurück. Inzwischen war es vor allem in den Industriegebieten Mitteldeutschlands und im Ruhrgebiet zu bewaffneten Kämpfen von Arbeitern gegen die Freikorps gekommen. Die wurden zurückgeschlagen. Im Pott bildete sich eine Rote Ruhrarmee aus der SPD-, USPD- und KPD-Basis und den Syndikalisten, mit bis zu 80 000 Kämpfern. Teils waren Bürgerliche beteiligt. Man wollte eine Volkswehr, die Bestrafung der Putschisten und Sozialisierungen.
Regierungskommissar Carl Severing (SPD) schloss mit den Arbeitern ein Abkommen, das einige Zugeständnisse machte. Aber nicht nur General von Watter, der kommandierende Militär wollte kein Abkommen. Und die Freikorps, von denen die meisten schon das Hakenkreuz auf dem Stahlhelm trugen,bekamen jetzt von der geretteten Regierung freie Hand...
Zeit daran zu erinnern.

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